Drei Uedemer beim Ötztaler Radmarathon
Ein Rennbericht aus Sicht von Michael Theyßen
227 Kilometer. 5.500 Höhenmeter. Vier Alpenpässe. Am 30. August stand ich in Sölden zum dritten Mal am Start. Diesmal nicht allein: Mit Tim Föste und Robert Janssen gingen erstmals zwei weitere Fahrer von Sturm 03 Uedem an den Start.
Die Vorbereitung
Der Niederrhein ist kein Alpenterrain. Wer sich hier auf 5.500 Höhenmeter vorbereitet, muss sich die Härte anderswo holen: durch immer wieder dieselbe stumpfe Arbeit auf denselben flachen Straßen. Am Wochenende stehen lange Ausfahrten von 6 Std. und mehr an. Unter der Woche kommen schnell 15 bis 20 Trainingsstunden zusammen – bis August waren es mehr als 14.000 Kilometer.
Der zweite Teil der Vorbereitung findet nicht auf dem Rad, sondern am Küchentisch statt: die Verpflegung. Was im Training nicht reingeht, bleibt im Rennen erst recht nicht drin. Der Magen muss über 9 Std. hinweg in jeder einzelnen Stunde die Energiemenge eines großen Tellers Nudeln verarbeiten können. Nudeln passen allerdings nicht ins Trikot. Deshalb sind Gels und Riegel das Mittel der Wahl, um diese Mengen überhaupt aufnehmen zu können.
Am Ende des Tages standen 6.600 verbrannte Kilokalorien auf der Ausgabenseite. Im Alltag könnte man sich davon fast 4 Tage ernähren. Der Ötztaler fordert diese Energiemenge in nur 9 Stunden.
Die Strecke
Der Start erfolgt im Morgengrauen in Sölden. Zunächst geht es Richtung Ötz und hinauf zum Kühtai.
|
Anstieg |
Länge |
Steigung |
Passhöhe |
Fahrzeit |
|
Kühtai |
18,6 km |
6,9 % |
2.020 m |
1:21 h |
|
Brennerpass |
37,0 km |
2,2 % |
1.377 m |
1:18 h |
|
Jaufenpass |
14,9 km |
7,6 % |
2.094 m |
1:13 h |
|
Timmelsjoch |
26,7 km |
6,7 % |
2.509 m |
2:34 h |
Nach dem Kühtai folgt die lange Abfahrt ins Inntal – mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h.
Dann kommt der Brennerpass: 37 Kilometer bergauf, im Schnitt zwar nur mit gut zwei Prozent Steigung, aber gerade deshalb ist eine Gruppe hier entscheidend. Es folgt der Jaufenpass mit seinen knapp 15 Kilometern.
Nach mehr als 6 Std. im Sattel wartet schließlich der Endgegner: das Timmelsjoch. Fast 27 Kilometer am Stück u. 2:34 Stunden reine Auffahrt. Der Pass liegt auf über 2.500 Metern. Mit zunehmender Höhe macht sich die dünnere Luft bemerkbar, die Leistung lässt nach. Eine Belastung jenseits dessen, was sich noch skalieren lässt.
Das Ergebnis
9:04 Stunden für mich – eine Zahl, die die Belastung wohl am besten beschreibt. Rund 6,5 Std. davon verbringt man mit Bergauffahren.
Tim Föste kam nach 9:28 Stunden ins Ziel, Robert Janssen nach 10:56 Stunden. Für beide war es die erste Teilnahme am Ötztaler Radmarathon – und damit die erste Begegnung mit 227 Kilometern, 5.500 Höhenmetern und vier Alpenpässen an einem einzigen Tag.
Was ihre Leistungen besonders macht: Beide erreichten dieses Ziel mit ihrem eigenen Trainingsansatz – ohne eine derart umfangreiche und speziell auf den Ötztaler ausgerichtete Vorbereitung. Für sie stand vor allem das Erlebnis im Mittelpunkt. Sie haben sich auf ihre Erfahrung, ihren Willen und ihre Ausdauer verlassen – und bis zum Schluss durchgebissen. Eine Zielankunft beim Ötztaler ist nie selbstverständlich. Zwei Finisher bei der Premiere: Das ist herausragend.
Drei Starter, drei Zieleinläufe. Für einen Verein unserer Größe ist das eine Ansage.
Michael Theyßen

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 1

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 3

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 4

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 6

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 5

Whats App Image 2026 09 20 At 19 49 7
